Warum Anti-Spam-Maßnahmen oft genau so ärgerlich sind wie Spam-Mails selbst

Spamming erschwert die E-Mail-Kommunikation heute ungemein, da Posteingangsordner bisweilen mehr Werbenachrichten als gewünschte E-Mails enthalten. Wer unterwegs vom Handy aus schon mal versucht hat 600 Header zu laden, nur um eine einzige wichtige E-Mail zu lesen, weiß, dass außer Zeit und Nerven auch der Geldbeutel belastet wird.
Leider sind populäre Anti-Spam-Maßnahmen bisweilen genauso lästig.
Ein weit verbreiteter Versuch, die Spamflut einzudämmen, besteht darin, dynamische RBLs, sogenannte Real Time Blacklists, einzubinden. Sobald eine E-Mail an Ihrem Server ankommt, fragt dieser einen internetbasierten Server ab, ob von der Absender-IP-Adresse bereits eine Spam-Mail versendet wurde. Ist dies der Fall, wird die E-Mail geblockt, evtl. wird der Absender darüber in Kenntnis gesetzt, dass er ein potentieller Spammer ist.
Dumm ist daran, dass so ziemlich jede dynamische IP-Adresse früher oder später einmal zum Spammen dient, weil irgendein Windows-Client gehackt und als Viagra-Werbemaschine missbraucht wird.
Sobald die zum Spammen verwendete IP-Adresse nach typischerweise 12 oder 24 Stunden an einen anderen Benutzer weitergegeben wird, hat dieser das Problem, über seine IP-Adresse als Spammer identifiziert zu werden.
Einen eigenen Mail-Server kann man daher also nicht mehr unter einer dynamischen IP betreiben.
Noch schlimmer ist, dass auch E-Mail-Absender auf dynamischen Blacklists landen können. Das heißt in der Praxis, dass Sie unter Umständen nicht nur das Pech haben von Spam überflutet zu werden, sondern dass Ihre E-Mail-Adresse auch als Absender politisch fragwürdiger Kampagnen oder von Werbung jeglicher Art verwendet wird. Damit landet Ihre Adresse automatisch auf einer internetbasierten Ausschlussliste, was dazu führt, dass die von Ihnen geschriebenen E-Mails den Empfänger zum Teil nicht mehr erreichen.
Leider ist es so gut wie unmöglich, von diesen Listen wieder entfernt zu werden, so dass Ihre lange Zeit verwendete Geschäftsadresse plötzlich wertlos ist.
Damit dies nicht passiert, halte ich es für sinnvoll, auf das Einbinden internetbasierter Ausschlusslisten zu verzichten und stattdessen inhaltsbezogene Filter anzuwenden, die verdächtige Mails nur als Spam kennzeichnen und in einen entsprechenden Ordner verschieben, den Sie als Empfänger von Zeit zu Zeit überprüfen können. Dies kostet Ihren Server zwar mehr Rechenleistung, ist den Aufwand aber sicher wert.

Veröffentlicht in Mac OS X Server.

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